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13. Advent-Wald-Marathon Bad Arolsen am 29.11.08

Mein 66. Marathon zum 50. Geburtstag

Bericht von Zenon Karczewski

__Text und Fotos:__Zenon.Karczewski@dresdner-trolle.de

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Es st so weit - ich werde 50. Bin ich traurig, fühle ich mich alt? Nein, natürlich nicht. Auch wenn manch ein Muskel oder Gelenk mich ab und zu an seinen natürlichen Verschleiss erinnert - mir geht es körperlich und geistig gut, ich bin noch fit und habe ehrgeizige Pläne für die Zukunft. Und an meinem 50. Geburtstag wollte ich - ähnlich wie "Obertroll" Peter vor 3 Monaten (s. >> Medoc-Bericht) - auch einen Marathon laufen. Leider werden an einem Mittwoch, also mitten in der Woche, nur selten solche Veranstaltungen ausgetragen. Also entschied ich mich für den Advent-Wald-Marathon in Bad Arolsen am 29. November. Gleichzeitig sollte das der versöhnliche Abschluss einer sonst eher schwachen Marahton-Saison mit den unbefriedigenden Vorstellungen in Lissabon (s. >> Bericht) und vor 6 Wochen in Dresden (s. >> Kurzbericht) werden.

GemeindehausZu Bad Arolsen möchte ich schon vorab sagen: dieses Erlebnis war einfach nur schön! Wir sind zu dritt dorhin gefahren: Roman, Uwe Zentsch und ich (Foto rechts). Am Freitag abend bezogen wir unser Quartier im Gemeidehaus (Foto), direkt neben der Sporthalle, wo die Startnummern-ausgabe stattfand. Bis zum Start bzw. Ziel waren es von dort auch nur einige Hundert Meter. Dieses Quartier hat mir Erika Kuhaupt empfohlen, die zusammen mit ihrem Mann Erich Kuhaupt diesen Marathon organisiert. Ich hatte sie ca. 10 Tage vorher angerufen. Wir hatten keine Startnummern und im Internet war die Anmeldung bereits geschlossen. Mehr als etwa 600 Teilnehmer werden zu diesem Marathon nicht zugelassen. Es ist wahrscheinlich die maximale Anzahl, die sowohl die Organisation als auch das Naturschutzgebiet, durch welches die Strecke führt, noch vertragen kann. Ich rief sie also an und fragte, ob wir trotzdem hinkommen können. "Ja" - sagte die freundliche und sehr sympatische Dame, "wir schieben Euch noch dazwischen". Freitag abend sind wir also da, in Wetterburg, einem Ortsteil von Bad Arolsen. Im Dunkeln kann man nur wenig von dem Ort und der Umgebung sehen. Wir holen die Startunterlagen ab, dazu für 5,- Euro die Finisher-Medaille (Foto rechts unten)) und für weitere 10,- Euro ein schönes, schwarzes T-Shirts. Den Rest des Abends verbringen wir in einem "Saustall" - so oder ähnlich hiess, glaube ich, die gemütliche Gaststätte um die Ecke.

SporthalleAls wir Samstag früh aufwachen und aus dem Fenster schauen, sehen wir draussen den Twiste-Stausee und eine winterliche, leicht schneebedeckte Landschaft (Foto ganz oben). Es schneit immer noch leicht, die Temperaur liegt bei 0 Grad. Bis zum Start um 11:00 Uhr haben wir noch viel Zeit. An einer grossen Tafel im Erdgeschoss wird zunächst gefrühstückt. Am Tisch sitzen weitere 9 Läufer bzw. Läuferinnen. Eine von Ihnen erzählt, dass es heute ihr 1321 Marathon (!) sein wird. (oder so ähnlich, an die genaue Zahl kann ich mich nicht mehr erinnern). Wahnsinn, sie ist schon über siebzig und läuft an jedem Wochenende mindestens einen, meistens aber gleich 2 Marathons. Ihr Nachbar, der mir irgendwie bekannt vorkommt, erzählt, dass er auch schon mehr als 1200 Marathons absolviert hat. Heute ist er hier, morgen früh fährt er nach Bertlich. Später unterhalte ich mich mit einem anderen Sportfreund - er nennt mir die Namen der Beiden, ich vergesse sie aber bald wieder. Erst als mir unser Troll Mirko später seinen Bericht vom Schwäbische Alb-Marathon zuschickt, erkenne ich die Rekord-Läuferin wieder - es ist die fröhliche und für ihr Alter erstaunlich fite "Oma" Sigrid Eichner aus Berlin. Und den Namen des anderen Rekord-Läufers weiss ich inzwischen ( wieder einmal von Mirko) auch: es ist Hans-Joachim Meyer ( Chef des 100 Marathon Club Hamburg).

Erich Kuhaupt (rechts), Erika Kuhaupt (linke)10:00 Uhr findet in der Sporthalle "die Einweisung" in die Strecke von Erich Kuhaupt statt. Ich erlebe ihn zum ersten Mal live. Selten habe ich Jemand mit so viel Engagement, Energie und Liebe zum Laufsport erlebt (Foto links). An der Eingangstür hängt das Streckenprofil. "Das wird nicht leicht heute" - fällt mir dazu nur ein. Danach machen wir uns warm und laufen zum Start direkt am See. 11:00 Uhr geht es los. Wir wollten eigentlich am Anfang zusammen zu dritt laufen aber kurz vor dem Startschuss verlieren wir uns aus den Augen und jeder startet für sich. Ich starte aus der ersten Reihe und laufe die ersten 2 Kilometer ziemlich weit vorn, achte aber darauf, dass es nicht zu schnell wird. Der Schnitt pro Kilometer beträgt so um 4'40. Wir laufen zunächst am See entlang, dann geht es über eine Brücke auf die andere Seite und so bei Kilometer 3 beginnt schon der erste "Berg". Nach etwa 4 Kilometern holt mich Uwe ein und geht mich sofort an, warum ich so schnell losgelaufen wäre, wir wollten doch zusammen laufen usw. Ich versuche mich zu entschuldigen, Uwe bleibt aber ziemlich unfreundlich und so sage ich schliesslich: "Uwe, hör auf Stress zu machen, der Lauf war so schön bis jetzt, willst Du mir

Dresdner Trolle: Roman, Zenon, Uwe (vlnr)

die Stimmung versauen?" Eine Minute lang, vielleicht waren es auch zwei, herrscht Funkstille zwischen uns, danach sind wir aber wieder dicke Freunde und unterhalten uns fröhlich über dies und jenes. Roman läuft zu dieser Zeit knapp eine Minute hinter uns, wie er später erzählen wird.

Die frische Luft, der Wald, der Schnee, die schöne Landschaft versetzten mich in so eine Art Glückszustand, ich bin voll überzeugt, dass es heute bis zum Schluss super laufen wird. Trotz der vielen Anstiege bleibt unser Schnitt weit unter 5 Minuten pro Kilometer, ich liebäugele schon mit einer Zeit von unter 3h30. Zwischen Kilometer 16 und 20 gibt es einen langen Anstieg, wir verlieren hier etwas Zeit, trotzdem passieren wir die Halbmarathonmarke noch nach guten 1:46 Minuten. "Ab Kilometer 32 geht es nur noch bergab, dort holen wir die Minute wieder heraus" - sage ich mir. Am Ende wird aber alles doch ganz anders kommen. Ab Kilometer 25 merke ich langsam die Strapazen der schwierigen Strecke und muss immer mehr "kämpfen". Uwe wird das Tempo mit der Zeit zu langsam. Nach 30 Kilometern löst er sich von mir und verschwindet schnell aus meinem Sichtfeld. Meine Oberschenkel fangen an zu schmerzen, ab und zu muss ich sogar anhalten und etwas dehnen. Das vorhin ersehnte Bergablaufen erweist sich als genauso unangenehm wie die Anstiege vorher. Ich quäle mich immer mehr. Die letzten Kilometer sind wieder flach, ich laufe ziemlich langsam und sehe mich immer wieder um. Wird Roman mich noch kurz vor dem Ziel abfangen und überholen? Endlich kommen wir wieder zu dem Stausee. Noch 2 Kilometer, noch Einer, ich sehne mich nach der Erlösung.

Nach 3h46'07 komme ich völlig erschöpft ins Ziel. Roman müsste auch jede Minute kommen. Ich warte 5, 10, 15 Minuten. Mit der Zeit wird es mir kalt, ich bekomme Schüttelfrost und muss schnellstens unter die Dusche. Vor unserem Quartier treffe ich Uwe. "Wie war's?" - frage ich ihn. "Ganz locker" - meint er - "war ein gutes Training für mich". Seine Zeit - 3h28'03''. Wir duschen, inzwischen ist es 15:30, Roman ist immer noch nicht da. Ist ihm etwa was passiert? Ich werd unruhig und will zum Ziel gehen. Aber just in diesem Moment taucht er auf. Ziemlich fertig und niedergeschlagen. Es war nicht sein Tag heute, ihm ging es ab dem Halbmarathon nicht besser wie mir, auf der zweiten Hälfte musste er immer wieder gehen. Sieben Marathons in diesem Jahr - das war vielleicht doch zu viel. In den nächsten 2-3 Wochen wird er eine Pause einlegen.

17:30 verlassen wir wieder Bad Arolsen. Im Auto hören wir während der Rückfahrt das Hörbuch "Der Mantel" des russischen Meistererzählers Nikolai Wassiljewitsch Gogol und müssen an vielen Stellen immer wieder laut lachen, obwohl die Geschichte an sich recht traurig ist. Gut gelaunt kommen wir gegen 21:00 Uhr in Dresden an. Die Qualen auf den letzten Marathon-Kilometern sind längst vergessen, Bad Arolsen bleibt als eine schöne, super organisierte Veranstaltung in Erinnerung.

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