Es
st so weit - ich werde 50. Bin ich traurig, fühle
ich mich alt? Nein, natürlich nicht. Auch wenn manch ein
Muskel oder Gelenk mich ab und zu an seinen natürlichen Verschleiss
erinnert - mir geht es körperlich und geistig gut, ich bin
noch fit und habe ehrgeizige Pläne für die Zukunft.
Und an meinem 50. Geburtstag wollte ich - ähnlich wie "Obertroll"
Peter vor 3 Monaten (s. >> Medoc-Bericht)
- auch einen Marathon laufen. Leider werden an einem Mittwoch,
also mitten in der Woche, nur selten solche Veranstaltungen ausgetragen.
Also entschied ich mich für den Advent-Wald-Marathon
in Bad Arolsen am 29. November. Gleichzeitig sollte das
der versöhnliche Abschluss einer sonst eher schwachen Marahton-Saison
mit den unbefriedigenden Vorstellungen in Lissabon (s. >>
Bericht)
und vor 6 Wochen in Dresden (s. >> Kurzbericht)
werden.
Zu
Bad Arolsen möchte ich schon vorab sagen: dieses
Erlebnis war einfach nur schön! Wir sind zu dritt
dorhin gefahren: Roman, Uwe Zentsch und ich (Foto rechts). Am
Freitag abend bezogen wir unser Quartier im Gemeidehaus (Foto),
direkt neben der Sporthalle, wo die Startnummern-ausgabe stattfand.
Bis zum Start bzw. Ziel waren es von dort auch nur einige Hundert
Meter. Dieses Quartier hat mir Erika
Kuhaupt empfohlen, die zusammen mit ihrem Mann Erich
Kuhaupt diesen Marathon organisiert. Ich hatte sie
ca. 10 Tage vorher angerufen. Wir hatten keine Startnummern und
im Internet war die Anmeldung bereits geschlossen. Mehr als etwa
600 Teilnehmer werden zu diesem Marathon nicht zugelassen. Es
ist wahrscheinlich die maximale Anzahl, die sowohl die Organisation
als auch das Naturschutzgebiet, durch welches die Strecke führt,
noch vertragen kann. Ich rief sie also an und fragte, ob wir trotzdem
hinkommen können. "Ja" - sagte die freundliche
und sehr sympatische Dame, "wir schieben Euch noch dazwischen".
Freitag abend sind wir also da, in Wetterburg,
einem Ortsteil von Bad Arolsen. Im Dunkeln kann man nur wenig
von dem Ort und der Umgebung sehen. Wir holen die Startunterlagen
ab, dazu für 5,- Euro die Finisher-Medaille (Foto rechts
unten)) und für weitere 10,- Euro ein schönes, schwarzes
T-Shirts. Den
Rest des Abends verbringen wir in einem "Saustall" -
so oder ähnlich hiess, glaube ich, die gemütliche Gaststätte
um die Ecke.
Als
wir Samstag früh aufwachen und aus dem Fenster schauen, sehen
wir draussen den Twiste-Stausee und eine winterliche, leicht schneebedeckte
Landschaft (Foto ganz oben). Es schneit immer noch leicht, die
Temperaur liegt bei 0 Grad. Bis zum Start um 11:00 Uhr haben wir
noch viel Zeit. An einer grossen Tafel im Erdgeschoss wird zunächst
gefrühstückt. Am Tisch sitzen weitere 9 Läufer
bzw. Läuferinnen. Eine von Ihnen erzählt, dass es heute
ihr 1321 Marathon (!) sein wird. (oder so ähnlich, an die
genaue Zahl kann ich mich nicht mehr erinnern). Wahnsinn, sie
ist schon über siebzig und läuft an jedem Wochenende
mindestens einen, meistens aber gleich 2 Marathons. Ihr Nachbar,
der mir irgendwie bekannt vorkommt, erzählt, dass er auch
schon mehr als 1200 Marathons absolviert hat. Heute ist er hier,
morgen früh fährt er nach Bertlich. Später unterhalte
ich mich mit einem anderen Sportfreund - er nennt mir die Namen
der Beiden, ich vergesse sie aber bald wieder. Erst als mir unser
Troll Mirko später seinen
Bericht vom Schwäbische Alb-Marathon zuschickt, erkenne
ich die Rekord-Läuferin wieder - es ist die fröhliche
und für ihr Alter erstaunlich fite "Oma" Sigrid
Eichner aus Berlin. Und den Namen des anderen Rekord-Läufers
weiss ich inzwischen ( wieder einmal von Mirko) auch: es ist Hans-Joachim
Meyer ( Chef des 100 Marathon Club Hamburg).
10:00
Uhr findet in der Sporthalle "die Einweisung" in die
Strecke von Erich Kuhaupt statt. Ich erlebe ihn zum ersten Mal
live. Selten habe ich Jemand mit so viel Engagement, Energie und
Liebe zum Laufsport erlebt (Foto links). An der Eingangstür
hängt das Streckenprofil. "Das wird nicht leicht heute"
- fällt mir dazu nur ein. Danach machen wir uns warm und
laufen zum Start direkt am See. 11:00 Uhr geht es los. Wir wollten
eigentlich am Anfang zusammen zu dritt laufen aber kurz vor dem
Startschuss verlieren wir uns aus den Augen und jeder startet
für sich. Ich starte aus der ersten Reihe und laufe die ersten
2 Kilometer ziemlich weit vorn, achte aber darauf, dass es nicht
zu schnell wird. Der Schnitt pro Kilometer beträgt so um
4'40. Wir laufen zunächst am See entlang, dann geht es über
eine Brücke auf die andere Seite und so bei Kilometer 3 beginnt
schon der erste "Berg". Nach etwa 4 Kilometern holt
mich Uwe ein und geht mich sofort an, warum ich so schnell losgelaufen
wäre, wir wollten doch zusammen laufen usw. Ich versuche
mich zu entschuldigen, Uwe bleibt aber ziemlich unfreundlich und
so sage ich schliesslich: "Uwe, hör auf Stress zu machen,
der Lauf war so schön bis jetzt, willst Du mir